#kochessenzisovernow

Party

Ihr Lieben,

mit diesem 400. Blogeintrag hör ich dann mal auf. Als ich vor gut 5 Jahren begann, war Foodbloggen noch ein Abenteuer. Getting everything right – von Gerichtauswahl und -komposition bis zu Computer- und Fotoausstattung war alles weitgehend unerforschtes Gelände und wollte erst einmal erschlossen werden.

Dies habe ich getan, nach einer intensiven ersten Phase ist es jetzt ruhiger geworden. Nicht nur meine persönlichen und kulinarischen Lebensumstände haben sich geändert, auch sind einige andere Projekte in der Pipeline, die genauso Zeit, Aufmerksamkeit und Liebe brauchen. Zudem habe ich gerade in letzter Zeit viele extrem gute Berichte und Fotos zum Thema gesehen, die leider alle nicht von mir sind.

Kurzum – regelmäßige weitere Berichte wird es hier nicht mehr geben (gelegentliche Rückfälle nicht ausgeschlossen). Die Seite bleibt bestehen, nicht zuletzt, weil sie auch meine persönliche Rezeptdatenbank geworden ist. Vielleicht räum ich mal auf bei Gelegenheit, mal sehen. Die spontanen Dinge des Lebens seht Ihr unter instagram / #bildessenz

Keep cooking!
Martin

#cookbooktripisovernow

Uff! “Exhausted but energized” trifft die 9 Tage ganz gut, die ich hinter mir habe. Eigentlich schreibe ich ja lieber Tagesberichte statt einem langen Text, aber die Tage waren einfach zu voll gepackt. Seit letztem Freitag bin ich nun in San Marco di Castellabate, einem kleinen ehemaligen Fischerort an der Küste des Cilento. Florian Siepert hat gerufen, und alle kamen. Alle, das heißt 15 Leute aus Deutschland und England, die in dieser Woche ein gewagtes Projekt angingen – und erfolgreich abschließen konnten.

Gianfranco begrüßt mich freundlich am Freitag abend. Ich bin der erste Gast, nicht nur unserer Gruppe, die am Samstag erst komplett sein wird, sondern auch im Hotel, das extra für uns vorzeitig aus dem Winterschlaf erwacht ist – als einziges im Ort. Die kleinen Straßen ringsum haben kaum Autoverkehr, so dass ich nach einem leckeren Abendessen als einziger im Haus tief und ruhig schlafen kann.

Spaghetti Vongole

Gianfra, wie wir ihn manchmal nannten, ist der Betreiber des kleinen Ortshotels in San Marco die Castellabate. Bereits in vierter Generation ist das Haus in Familienhand. Seine Urgroßmutter Antonietta, nach der das Hotel heute benannt ist, war eine resolute Frau. Sie gründete in den 40ern des letzten Jahrhunderts ein kleines Restaurant in der Ortsmitte, direkt neben der Kirche. Ohne ihren Mann, der von der Familie nach Amerika geschickt wurde, um dort sein Glück zu machen und der 40 Jahre lang dort blieb, sorgte sie für Gäste und für die touristische Anbindung des Ortes. Später kamen Hotelzimmer dazu – Ende der 50er wurde das Gebäude aufgestockt. Nun kamen auch internationale Gäste – so eine dynamische, besitzergreifende Gruppe wie unsere ist wahrscheinlich nicht so oft dabei gewesen.

Das alte Restaurant

Für unser Projekt besetzten wir Küche und Speisesaal, manchmal auch die Terrasse oder den Bürgersteig vor dem Hotel – sehr zum Amüsement der Dorfbewohner, um sie als Koch- und Fotostudio, Schreibstube, Redaktionsbüro oder Kantine zu nutzen. Die verfallene Villa des Principe am Ortseingang wurde nach Wildkräutern durchstreift, an der nahen Küste sammelte Ines wagemutig Seeigel und kam ziemlich durchnässt zurück, der Fleischer Fancesco und seine kuchenbackende Gemahlin Gerardina samt Meerschweinchen Charisma wurden schon fast Freunde und der Besitzer des kleinen Lebensmittelladens nebenan machte mit uns den Umsatz der Vorsaison.

Francesco der Fleischer

Ständig klickten die Kameras, bestimmt sind in diesen Tagen mehr als 10.000 Bilder zusammen gekommen. Sophie von cucinapiccina inszenierte und fotografierte einen großen Teil der Rezepte ganz großartig und schaffte es noch nebenher, die Welt per instagram auf dem Laufenden zu halten.

Making of Fischsuppenbild

Red Mullet, historisch

Mich haben vor allem zwei Dinge beeindruckt – zum Einen die unglaubliche Freundlichkeit der lokalen Bevölkerung. Wo immer wir waren, was immer wir wollten, alle bemühten sich außerordentlich um unsere verrückten Wünsche, bewahrten die Nerven, wenn wir auf Tische und Stühle kletterten für die beste Fotoperspektive oder die Händler nach den besten Zubereitungen ausquetschten. Besonders können wir hier auch noch einmal Felice danken, der als “Mädchen für alles” uns beim Frühstück bestens versorgte und auch sonst alle Materialtransporte und die Erledigung sonstiger Wünsche klaglos übernahm.

20140402-_DSC6507

Zum anderen fand ich es schön, wie eine Gruppe von sich überwiegend nicht bekannten Menschen sich so schnell als Team zusammengefunden hat. Natürlich gab es auch einen Gutteil Gruppendynamik, aber letztendlich haben alle mit viel Motivation und Können am Ergebnis mitgearbeitet (klar war es Arbeit, aber immer auch Urlaub ;) )

BBQ

So viele Geschichten – das überlastete WLAN im Hotel, die Pinup-Meerjungfrauen im Fischerladen, das Gossip Cafe, in dem wir auf die Muschellieferung warteten, die Büffelfarm, auf der wir beim Melken zusehen durften…

Bufala

… die ganzen frischen Lebensmittel, die in der Region hergestellt werden, die Obst- und Gemüsesorten, die es bei uns kaum gibt – Cedri, Puntarelle, wilder Chicoree, wilder Spargel, wilder Brokkoli frische Artischocken aller Größen, die Melancholie, die teilweise in den überalterten Orten herrscht, der Promoter des dieta mediterranea-Vereins, den wir kennenlernten, weil ein ein Bruder eines Cafebesitzers in Agropoli ist, der frische Mozzarella, wie man ihn hier nie bekommt, die Fische, das Sprachgewirr aus Englisch, Italienisch und Deutsch und nicht zuletzt die Landschaft, das Licht und der morbide Charme des zerfallenden Süditalien haben diese Reise für mich zu einer ganz besonderen gemacht.

Squid

Die abschließende Rückfahrt an der Amalfiküste entlang war dann noch ein spezielles Highlight – viele halten diesen Küstenstrich für einen der schönsten überhaupt und im Nachmittagslicht kann ich ihnen schon zustimmen.

Amalfi

Und das Kochbuch? Ja, wir haben es geschafft! Es wurde mit viel Fleißarbeit bis zur Abreise am Freitag noch bearbeitet. Jetzt folgt noch die abschließende Qualitätssicherung und dann kann es in den Druck gehen. Die Abbildung zeigt eine (unverbindliche) Entwurfsseite. Wir haben 120 Seiten voll mit tollen Fotos, cilentanesischen Rezepten, Geschichten aus der Region und über unser Projekt zusammen gestellt. Wer interessiert ist, kann sich gerne melden ;)

Preview

#cookbooktrip

Lange nichts mehr publiziert… der berufliche und familiäre Alltag mit all seinen Projekten lässt mir gerade wenig Zeit zur kulinarischen Muße.

Aber jetzt wird alles anders! Wie angekündigt beginnt morgen der #cookbooktrip, eine Gemeinschaftsreise in den Cilento mit dem Zweck, in wenigen Tagen gemeinschaftlich ein Kochbuch zu erstellen. Ich freue mich sehr, Ihr werdet hier davon lesen!

Ciao!

Weihnachtliche Kürbissuppe mit Pimentkraut

Jetzt rüsten sie wieder auf, die Kulinariker unter uns… Weihnachten ist schließlich das Fest der Freude, da soll auch der Gaumen und der Bauch “endlich” mal was Besonderes bekommen, nachdem ja das ganze Jahr nix Vernünftiges auf den Teller kam. Ich seh es in den Food-Foren und auch die Suchstatistik meines Blogs ist voll von Anfragen zu “der perfekte Braten”, “Jakobsmuschel-Carpaccio”, “Essenz”, “Weihnachtsplanung” und so fort. Macht Euch nicht so einen Stress! Ich achte inzwischen lieber das ganze Jahr über auf gute Qualität und Freude beim Essenmachen und -kochen und vermeide den kulinarischen Jahresendschlag. Das schont die Nerven, den Magen und den Geldbeutel…

Weihnachtliche Kürbissuppe

Ein bisschen weihnachtlich darf es trotzdem sein, heute entstand inkrementell diese besondere Suppe, die ganz einfach herzustellen ist. Ich koche einen in Stücke geschnittenen Hokkaido, 3-4 Kartoffeln, eine rote Zwiebel und eine Knoblauchzehe, alles ebenfalls in Stücken, in reichlich Gemüsebrühe auf. Dazu kommt eine kleine Chilischote, die bei uns im Wohnzimmer immer noch reichlich wächst. Nach 25 Minuten kann die Suppe mit dem Zauberstab püriert werden. Wenn sie zu dick ist, kommt noch etwas Wasser hinterher. Die Suppe darf beim Kochen keine Vulkankrater erzeugen!
Jetzt reibe ich mit der feinen Reibe ein ordentliches Stück Ingwer hinein (50 g vielleicht) und schmecke mit Sojasauce ab. Nebenher erwärme ich etwas Sauerkraut, das ich mit gemörsertem Piment gewürzt habe.
Der Clou der Suppe: zum Schluss gebe ich noch einen Teelöffel Lebkuchengewürz dazu (Achtung, nicht zu viel nehmen). Auf den Tellern richte ich die Suppe mit dem Sauerkraut, Mandelhälften und jeweils einem guten Schuss Kürbiskern- und Orangenöl an. Das letztere verbindet die Weihnachtsaromen hervorragend mit der Säure des Krauts und der samtigen Suppe.
Allemal ein Festessen!

In der Weihnachtsbäckerei…

Dieses Jahr gibt es nur das kleine Keksbackprogramm: vor allem Hexnhaus und Schatztruhe stehen auf dem Programm. Ein paar Lebkuchenkekse fallen sicher auch noch dabei ab und ich möchte mal wieder die Gewürzflorentiner machen. Die kommen zuerst dran, weil der Lebkuchenteig nach Herstellung erstmal drei endlose Stunden (“wann können wir denn nun endlich das Haus machen”) ruhen muss. Da ich keine Belegkirschen bekommen habe, müssen getrockenete Cranberries (in der Softvariante) rein – so gefallen mir die Florentiner sogar noch besser, nicht ganz so süß! Ich mache sie diesmal auch etwas größer, 5 cm im Durchmesser statt der 3 wie sonst. Das bekommt ihnen gut:

Cashewkern-Florentiner

Der Lebkuchenteig: 230 g Alsan und 100 g Rohrohrzucker schaumig rühren. Dann 650 g Dinkelmehl, 1/2 TL Hirschhornsalz, 3 TL Lebkuchengewürz, 1 TL Zimtpulver, 1 TL Salz trocken vermischen. Nun kommt 250 g Zuckerrübensirup dazu, ebenso die Fett/Zuckermischung, 3 EL Wasser und ein Eigelb. Alles verkneten, in Frischhaltefolie einwickeln und 3 Stunden im Kühlschrank lagern. Dann nehme man die Ikea-Lebkuchenhaus-Anleitung (sowas gibt es tatsächlich!) oder man bastelt sich selber Schablonen. Den Teig rolle ich mit einem selbstgebastelten Distanzhalter (2 Sperrholzplatten, Teppichklebeband, Backpapier, Küchenrolle und 2 Kinder zum Festhalten) perfekt gleichmäßig aus und wende die Schablonen an. Außerdem entsteht noch einiges an Zubehör, wie Fensterläden für das Haus und Scharnierbänder und andere Beschläge für die Truhe.

Plattenbau

Tipp Nr.1: Die Hausschablonen lassen sich nach Gebrauch gut in Schatztruhenschablonen umbauen – man muss nur den Giebel rund schneiden und den Deckel hinbekommen.
Tipp Nr.2: Eine alte Kaffedose wird zur gebogenen Unterlage für das Teigstück, das beim Backeln den Deckel der Schatztruhe ergeben soll.

In vier Durchgängen backen der Plattenbau und die Schatztruhenteile auf Blech mit Backpapier in ca. 7-8 min bei 200°.

Tipp Nr.3: Platten auf dem Blech abkühlen lassen, nicht runternehmen, solange die Platten noch warm sind – das gäbe Bruch. Mit Zuckerguß und Zahnstocherdübeln erstellen wir unsere fragilen Kunstwerke, die wir anschließend zur Dekoration freigeben können ;)

Haus

Truhe

Aus den Teigresten entsteht dann noch schnell ein Blech voller Lebkuchenkekse mit “weihnachtlichen” Motiven, wie hier zu sehen….

Piratenkekse

ein schöner Tag mit feinen Ergebnissen!

Newtella 2.0

Wie vorgestern schon geschrieben, hat mein Creme-Experiment noch ein paar Schwachpunkte. Zum Glück habe ich noch genug Eicheln übrig, um eine kleine Versuchsreihe zu starten.

Newtella 2.0 Versuchsreihe

Zunächst ändere ich den Beginn der Verarbeitung – nach dem langwierigen Schälen der Eicheln (das übrigens leichter geht, wenn man die Eicheln mit kochendem Wasser überbrüht) gebe ich die Früchte zunächst bei 200° für 15 Minuten auf einem Blech mit Backpapier in den Ofen. So rösten sie ein wenig an und erzeugen Malz. Dadurch kam ich auch auf meine Apfelsaftalternative – wie wäre es, Malzbier statt Apfelsaft zu benutzen? Gesagt, getan – das Gros der gerösteten Eicheln (500 g) habe ich in einem Liter Dinkelmalzbier aufgesetzt und dann weiter verarbeitet wie im Rezept beschrieben. Für Vergleichszwecke habe ich 200 g Eicheln einfach nur in Wasser weiterverarbeitet.
Nun habe ich also eine Malz-Gelierzucker-Eichelmasse und eine ohne Malz. Der Malzgeschmack hat schon einmal gut getan, und auch die Wasservariante ist besser als die mit Apfelsaft. Schon mal ein Fortschritt! Ein weiterer Fortschritt ergab sich aus dem Einsatz der flotten Lotte – immer noch aufwändig, aber besser, als die Masse durch ein Sieb zu streichen. Ich habe die feine Scheibe für beide Varianten benutzt und erhalte so ein feines Mus.
Was nun? Ich nehme von der Wasservariante eine Probe ohne Kakao und gebe gemörserten Kardamom hinzu. Schon mal sehr fein, auch ohne Kakao. Dasselbe nochmal mit. Auch das geht gut. Und jetzt -trara- kommt noch Port hinzu. Nun wird es richtig interessant. Die Kardamom-Proben können sich schon mal sehen lassen. Für eine weitere Probe rühre ich den Kakao mit Ananas-Kokos-Saft an (gibts im Bioladen und ist bei uns ein guter Durchläufer). Kommt auch gut, die Ananas schmeckt fein durch den Kakao und der Kokos rundet ab. Für die Kinder mache ich aus dem Rest der Wasserversion eine Nur-Kakao-Variante.
Die Malz-Version wird jetzt mit richtig viel Kakao angerührt, 6 gute EL kommen hinzu. Das tut der Masse gut, besser als die knappen Reste vom letzten Mal. Und mit Port ist diese Variante mein Favorit – Schokoladig, süß mit ein wenig Säure im Hintergrund und durch den nicht ganz verkochten Alkohol auch mit ein wenig Pep. Zwar nichts für die Kinder, aber so habe ich eine Ausrede, dass diese Creme nur für die Erwachsenen ist ;)
Die Proben hebe ich erstmal auf, es ist schon spät und der Rest des Haushalts träumt schon vom Frühstück. Morgen gibt es also einen kleinen Favoritenwettbewerb, wobei meiner wie gesagt schon feststeht ;) Eicheln habe ich nun keine mehr, aber im nächsten Jahr geht es dann gleich mit dem richtigen Rezept los!

Newtella 2.0 Versuchsreihe

Newtella – Schokocreme aus Eicheln

Nutella-Ersatz aus Eicheln – jetzt wird es exotisch! Ich war mir erst nicht so sicher, ob ich dieses Experiment wirklich hier publizieren sollte oder lieber in meinem Parallelblog Natürlich! Wildkräuter. Aber nachdem die Ostfriesische Zeitung am Wochenende einen längeren Artikel über mein Wirken gebracht hat und auch auf diesen Versuch Bezug nahm, habe ich mich nun entschlossen, das kulinarische Ergebnis zu betonen und nicht die “natürliche” Herkunft.

Habe ich es schon erwähnt? Aufgrund diverser Allergien in unserem Haushalt sind wir darauf angewiesen, die kulinarischen Standard-Kindervergnügungen sparsam einzusetzen, und wir sind immer auf der Suche nach gesunden Alternativen. Nutella stand bei uns als Industrieprodukt mit über 50% Zuckergehalt und gut 30% Fett nie wirklich auf dem Tisch, aber auch alternative Bio-Nusscremes scheitern bei uns eben an der Haselnuss. Eines Tages, im Rahmen meiner Wildkräuterweiterbildung, lief mir ein Rezept über eine selbstgemachte Schokocrema auf Eichelbasis über den Weg. Damals fand ich es zumindest interessant genug, um es aufzubewahren. Jetzt ist es so weit – die große Eiche, die unseren Garten im Herbst mit Unmengen von Eicheln bombardiert, gab genug Anlass zum Sammeln (Bombardierte, muss man leider sagen, der Orkan Ende Oktober hat sie nun leider zerlegt. Ich verarbeite also sozusagen den Nachlass).

Newtella

Das Foto zeigt es bereits – optisch kann die Creme mithalten. Das “Streichgefühl” ist mangels Fett nicht ganz so “gleitend” wie bei Nutella, aber wie ich finde gut genug. Geschmacklich stehen noch weitere Testreihen an, das Originalrezept ist noch nicht so ganz kinderkompatibel ;)

Wie geht’s also? Man nehme: reife Eicheln, am besten welche, die sich später gut pellen lassen (hängt von der Sorte ab, man merkt es leider erst später). Diese Eicheln kommen in eine große Schüssel Wasser auf’s Fensterbrett und werden mit frischem kalten regelmäßig (d.h. alle 2-3 Tage) durchgespült, bis sie ordentlich keimen. Das ist bei mir nach ca. 3 Wochen der Fall. Dann pellen, die braune Haut muss mit ab. Ein scharfes, stabiles kleines Messer hilft hier sehr, denn die Eichelschalen sind zwar teilweise aufgeplatzt, aber trotzdem recht zäh. Ich brauche über 2 Stunden für die notwendigen 500 g geschälte Eicheln. Nun kommen die Eicheln in den Ofen – 15 Minuten bei 200°. Ob es reicht? Im Original gibt es dazu keine Angaben. Ich habe auch Eichelkaffee gemacht, da waren die Eicheln deutlich länger im Ofen, allerdings werden sie dann eben auch bitterer. Das will ich für die Creme nicht.

Eicheln

Anschließend kommen die Eicheln in den Topf, zusammen mit 1 Liter Apfelsaft (ich nehme naturtrüben) und koche sie, bis der Saft fast vollständig reduziert ist. Dann die Eicheln pürieren, mit dem Kartoffelstampfer ein mühseliges Geschäft. Dei Eicheln sind schon zerkocht, aber trotzdem deutlich stabiler als z.B. Kartoffeln. Jetzt kommt noch einmal 500 ml Saft dazu, ich mische alles mit dem Zauberstab. Das geht nicht sehr gut, so passiere ich nochmal durch die feine Scheibe der flotten Lotte. Jetzt wieder erhitzen und 250 g Gelierzucker 2:1 einrühren und ordentlich kochen, bis die Creme fest ist. Abschließend gebe ich 4 gute EL Kakaopulver, in wenig Wasser klumpenfrei gerührt, zu der Creme dazu. Es hätte mehr sein können, aber leider war der Vorrat verbraucht. Nun kommt die Creme in sterilisierte Gläser und ruht erst einmal einen Tag. Frisch und warm schmeckt sie nämlich nicht besonders gut. Bei zwei Gläsern gebe ich zusätzlich noch Zimt hinzu.

Das Ergebnis der vielen Mühen? Wie oben schon beschrieben, ist es eine recht ordentlich Creme geworden. Schokoladig ist sie schon, und durch die Eicheln auch hinreichend gehaltvoll. Mich stört noch ein wenig der eher intensive Apfel(saft)geschmack. Ist zwar in Verbindugn mit Kakao auch mal ganz apart, aber für den Dauereinsatz würde ich den gerne noch wegbekommen. Und für die Kinder wäre es dann auch eher akzeptabel (bisher hielt sich die Begeisterung in Grenzen…). Malzbier ginge vielleicht auch als Kochflüssigkeit, oder einfach Wasser? Ein paar Eicheln habe ich noch, auf geht’s zu neuen Experimenten!

Feldsalat mit Bratbirne

Ein kleines Abendessen soll her – schnell soll es gehen. Was tun? Ich habe Feldsalat gekauft heute, endlich gibt es wieder den kräftigen Wintervitaminspender. Dazu eine Birne, die ich in Scheiben schneide und in der Pfanne mit Butter stark anröste, so dass sie etwas gebräunt wird. Ein paar Walnüsse gebe ich gesalzen und mit etwas Olivenöl und Piment d’Espelette verrührt auf ein Blech in den Backofen. Dort rösten sie bei 180° für eine Viertelstunde. Die Vinaigrette ist ebenfalls schnell gemacht – etwas Balsamico in die noch heiße Pfanne, etwas reduzieren und dann einen Teelöffel Honig dazu, Salz und etwas Walnussöl. Auf den Teller mit den Einzelteilen und fertig ist der schnelle Abendgenuss!

Feldsalat mit Bratbirne

Ich wollte doch auch mal Backen…

Unterwegs in den USA… Zwischen Casino-Frühstück und Geschäftskonferenz organisiere ich die Zulieferung zum geplanten Wochenend-Dinner mit Freunden. Wo bekomme ich nur Biofleisch her, Freitag abend, wenn ich zurückkehre? Wir sind zu acht, und es soll mal was Besonderes geben, was nicht zu viel Arbeit macht, wenn die Gäste da sind. Vielleicht etwas Geschmortes? Endlich mal eines der vielen Kalbs/Rinder/Ochsenbackengerichte, die in den diversen Food-Blogs kursieren? Oh ja, gute Idee! Dank Internet finde ich einen Biofleischer in Bremen, den ich per mail anfunke. Leider ohne Antwort, so dass ich dann doch zum Telefon greife. Ja, Backe gibts, gerade ist eine Kiste voll gekommen! Juhu, die reserviere ich mir.

Freitag, nach 20 Stunden Reise, komme ich etwas desolat beim kleinen Fleischerladen an. Der Fleischer schaut ein wenig betreten, kramt eine Weile in seiner Kühlkammer und kommt dann mit besagter Kiste zurück. Leider ist der zuständige Veterinär anscheinend kein Gourmet gewesen! Backen müssen ja aufgeschnitten werden, um auf Wurmbefall getestet zu werden. Diese Backen haben dem Wurm jedenfalls keine Chance mehr zum Verstecken gegeben. Ich sehe eine Sammlung mehr oder weniger kleiner, flacher Fleischfetzen vor mir, diagonal durch Sehenstücke geteilt. So hatte ich mir das nicht vorgestellt!

Gemetzelte Backen

Für mein Dinner geht das jedenfalls nicht. Ich nehme die drei größten Stücke noch mit, ca. 500 Gramm. Davon bleiben 330 Gramm nach dem Parieren übrig. Ist das normal? Keine Ahnung. Ich wickle die gesäuberten Fleischlappen zusammen und verschnüre sie rouladenartig. Ab in den TK, die werden später mal getestet. Zu Essen gab es dann Rinderhüfte, hier hatte die Kettensäge des Tierarztes nicht gewütet und ich konnte ein schönes Stück erstehen, aus dem ich dann Steaks geschnitten habe.

Probierteller mit Hüftsteak

Zu mehr als einem Probierfoto hat es dann allerdings nicht gereicht, am Dinnerabend selber war genug zu tun und ich war noch im Jetlag… Das Fleisch war sensationell, ich habe es noch mit Speck umrandet, sehr lecker! Dazu dann drei Pürees: AT’s Zitronenpüree, ein Selleriepüree von Schuhbeck und grünes Petersilenpüree – Ihr seht, ich habe alle Blogbeilagen geklaut :)

Also: hat jemand eine zuverlässige Quelle von Biofleisch, wo man auch halbwegs intakte Kalbs-/Rinderbacken bekommt? Mit Versand! Danke an alle Backen-Aficionados :D

Erste Wahl?

Oh ich habe es getan! Obwohl ich mein Blog werbefrei halte, bekomme ich des öfteren Post von diversen Anbietern mehr oder weniger skurriler Produkte und/oder Dienstleistern, die mithilfe meiner Website mein bzw. ihr Lebensglück steigern wollen, indem ich irgendetwas Schönes zu ihrem Produkt sage und dann alle kommen und es kaufen. Diese mails landen meist ohne großes Federlesen im Papierkorb.

Diesmal kam eine angenehm kurze mail mit der Frage, ob ich denn wohl mal die neue Sarah Wiener DVD rezensieren wolle. Ich überlegte kurz und entschied dann, dass ich will. Zum einen war es mal kein getarnter Verkaufsversuch und zum anderen wollte ich nun endlich mal meine Vorurteile zu Frau Wiener im allgemeinen und ihren Kochambitionen im Besonderen auf den Prüfstand stellen. Ehrlich gesagt, hab ich bisher von ihr kaum etwas wahrgenommen, außer die Meinung Dritter, dass sie eben keine “richtige” Köchin sei und sich daher eben über “was anderes” vermarkten müsse (im Gegensatz zu Lafer, Schubeck und wie sie alle heißen…)

Erste Wahl

So, genug der Vorrede. Das Päckchen kam dann irgendwann. “Erste Wahl” heißt das gute Stück, besteht aus einer Klappbox mit 2 DVDs und einem Rezeptheft der in den 10 Sendungen gekochten Rezepte. Die Sendungen sind von Arte/ORF produziert (kamen die schon im TV? Keine Ahnung, ich guck ja nich) und zeigen in je 45 Minuten die Suche von Sarah Wiener nach “den Wurzeln des Geschmacks”. Die besten Grundnahrungsmittel sollen es sein und so reist Frau Wiener kreuz und quer durch Europa zwecks Betrachtung von: Honig, Brot, Tomaten, Äpfel, Milch, Huhn, Olivenöl, Kabeljau, Schaf, Kartoffel. Fällt was auf? Stimmt – eine gewisse Beliebigkeit bei der Auswahl dieser “Wurzeln” irritiert. Wieso Kabeljau, aber kein Schwein? Wieso Brot aber keine Nudeln? Wieso Honig und keine Wildkräuter? Nun ja, Marketing ist nun einmal keine leichte Aufgabe und so eine Kompilation braucht nun mal ein knackiges Motto. “Sarah Wiener findet ursprüngliches Erzeugen von Lebensmitteln gut und besucht deswegen 10 Produzenten” hätte wahrscheinlich auch nicht so gut geklungen.

Also die Wurzeln des Geschmacks. Die einzelnen Sendungen sind strukturell ziemlich gleich aufgebaut – Sarah Wiener mit Päckchen vom Besuch, dass sie sich selber geschickt hat. Dann Rückblende. Sarah Wiener kommt mit Rucksack irgendwo an und erklärt, was gleich passiert – Heike Götz lässt grüßen. Dann Eintritt in die Produzentenfamilie mit kurzer Biografie und dann steckt Sarah Wiener auch schon in den Gummstiefeln/unter der Imkerhaube/in der Fischerhose und macht mit. Dann noch ein Besuch bei einem lokalen Gastronomen, der auch mal was kochen darf und dann zum Abschluss kocht Sarah Wiener für ihre Gastgeber was mit ihren eigenen Produkten. Dazwischen hier und da ein paar Infobits als Zeichentrick. Zum Ende packt sie ihr Päckchen, verabschiedet sich und wandert wieder los mit ihrem leeren roten Rucksack.

Der Vergleich mit Heike Götz ist nicht ganz fair – Sarah Wiener springt wirklich ins (Arbeits-)Leben der Produzenten und ist sich für keinen Dreckjob zu schade. Zumindest wirkt sie so, als würde sie reinklotzen und sich für ein paar Tage mit dem harten Job der herstellenden Kleinbauern und -fischer identifizieren. Da macht es auch nichts, wenn man mal total verstrubbelt ist oder sich ekelt vor toten Fischen oder Angst hat vor den vielen Bienen. Im Gegenteil, diese persönliche, manchmal etwas kratzbürstige Art macht das Format erst interessant. Die ersten Folgen sind noch etwas holprig (“irre, Wahnsinn, toll” ist am Anfang der häufigste Wortbeitrag in der Sendung), später wird es besser, es läuft runder, Sarah Wiener hat sich an den Rhythmus gewöhnt und kommt gut in die Themen rein. Schön auch, dass ihre Stilblüten (“ich will etwas kochen, dass saisonal hierher passt”) unverfälscht mit übernommen und nicht vom übereifrigen Redakteur entfernt wurden. Und – man merkt ihr an, dass sie es ernst meint mit dem Interesse an den ursprünglichen Nahrungsmitteln und den teils sehr speziellen Leuten, die sie oft auf althergebrachte Art produzieren. Vielleicht, weil sie auch ein Kämpfer ist, das kommt in den Sendungen gut rüber.

Fazit: Einen Originalitätspreis wird die DVD wohl nicht gewinnen – zu Recht. Als Bio-Infotainment-Serie taugt sie allemal und wer Sarah Wiener mag, kommt mit ihrem Auftritt sicher gut zurecht. Ein paar Folgen habe ich ganz gern gesehen (Kabeljau und Tomaten sind meine Favoriten) und zumindest weiß ich nun besser, wer Sarah Wiener ist ;)

Ach ja, als DVD kostet der Spaß 22,99, bei iTunes für 9,99 – dann allerdings vermutlich ohne Rezeptheft.