Backen

Brot, Kekse, Kuchen,…

In der Weihnachtsbäckerei…

Dieses Jahr gibt es nur das kleine Keksbackprogramm: vor allem Hexnhaus und Schatztruhe stehen auf dem Programm. Ein paar Lebkuchenkekse fallen sicher auch noch dabei ab und ich möchte mal wieder die Gewürzflorentiner machen. Die kommen zuerst dran, weil der Lebkuchenteig nach Herstellung erstmal drei endlose Stunden („wann können wir denn nun endlich das Haus machen“) ruhen muss. Da ich keine Belegkirschen bekommen habe, müssen getrockenete Cranberries (in der Softvariante) rein – so gefallen mir die Florentiner sogar noch besser, nicht ganz so süß! Ich mache sie diesmal auch etwas größer, 5 cm im Durchmesser statt der 3 wie sonst. Das bekommt ihnen gut:

Cashewkern-Florentiner

Der Lebkuchenteig: 230 g Alsan und 100 g Rohrohrzucker schaumig rühren. Dann 650 g Dinkelmehl, 1/2 TL Hirschhornsalz, 3 TL Lebkuchengewürz, 1 TL Zimtpulver, 1 TL Salz trocken vermischen. Nun kommt 250 g Zuckerrübensirup dazu, ebenso die Fett/Zuckermischung, 3 EL Wasser und ein Eigelb. Alles verkneten, in Frischhaltefolie einwickeln und 3 Stunden im Kühlschrank lagern. Dann nehme man die Ikea-Lebkuchenhaus-Anleitung (sowas gibt es tatsächlich!) oder man bastelt sich selber Schablonen. Den Teig rolle ich mit einem selbstgebastelten Distanzhalter (2 Sperrholzplatten, Teppichklebeband, Backpapier, Küchenrolle und 2 Kinder zum Festhalten) perfekt gleichmäßig aus und wende die Schablonen an. Außerdem entsteht noch einiges an Zubehör, wie Fensterläden für das Haus und Scharnierbänder und andere Beschläge für die Truhe.

Plattenbau

Tipp Nr.1: Die Hausschablonen lassen sich nach Gebrauch gut in Schatztruhenschablonen umbauen – man muss nur den Giebel rund schneiden und den Deckel hinbekommen.
Tipp Nr.2: Eine alte Kaffedose wird zur gebogenen Unterlage für das Teigstück, das beim Backeln den Deckel der Schatztruhe ergeben soll.

In vier Durchgängen backen der Plattenbau und die Schatztruhenteile auf Blech mit Backpapier in ca. 7-8 min bei 200°.

Tipp Nr.3: Platten auf dem Blech abkühlen lassen, nicht runternehmen, solange die Platten noch warm sind – das gäbe Bruch. Mit Zuckerguß und Zahnstocherdübeln erstellen wir unsere fragilen Kunstwerke, die wir anschließend zur Dekoration freigeben können 😉

Haus

Truhe

Aus den Teigresten entsteht dann noch schnell ein Blech voller Lebkuchenkekse mit „weihnachtlichen“ Motiven, wie hier zu sehen….

Piratenkekse

ein schöner Tag mit feinen Ergebnissen!

Laugenbrötchen

Skandal! E500 im Backwerk! Und es ist noch nicht einmal deklarierungspflichtig! Die Aufreger können sich beruhigen – es geht hier nur um eine einfache und schnelle Methode, Laugenbrötchen selber herzustellen.

Laugenbrötchen im Ofen

Professionell hergestellte Laugengebäcke werden tatsächlich vor dem Backen in Natronlauge (NaOH) gebadet. Diese Lauge ist schwer ätzend und damit ziemlich gefährlich. Im Privathaushalt hat sie daher in der Küche nichts zu suchen – zumindest wenn Kinder in Reichweite sind! Die entschärfte Variante gelingt ganz einfach mit einem Sodabad – Natriumcarbonat (Na2CO3), oder lebensmittelrechtlich eben E500, entsteht, wenn man ganz normales Haushaltsnatron in heißem Wasser auflöst. Gibt es anderes als das von Kaiser? Ich habe nie andere Packungen gesehen 😉 Das chemisch korrekt mit Natriumhydrogencarbonat (NaHCO3) benannte Salz zersetzt sich dann prompt unter Sprudeln.

Wie kommt das Soda nun aufs Brötchen? Ich nutze ungebacken eingefrorene Brötchenrohlinge. Bei mir sind sie natürlich aus dem Kartoffelbrotteig – das Rezept reicht für 16 kleine Brötchen. Da sie gefroren sind, lassen sie sich gut für 2 Minuten in der kochenden Lauge baden, ohne sich in zerlaufene Matschklumpen zu verwandeln. Dann gleich aufs Blech, mit grobem Salz bestreuen und sofort in den auf 230° vorgeheizten Ofen, für 25-30 Minuten. Die Brötchen werden dunkler als ungelaugte, aber das ist so gewollt. Ein Renner auf dem heimischen Frühstückstisch!

Vegane Dominosteine

Meine Berliner Weihnachtkekssession fällt aus dieses Jahr. Kein gemeinsamer Termin mehr frei – in den vielen übereinandergelegten Kalendern gelingt der Durchstich nicht mehr. Schade, so fallen ein paar der Keksfavoriten ins Wasser. Aber auch gut, weil neue Wege gesucht und gefunden werden. Die Mohndominosteine habe ich gerettet und dieses Mal in einer belastungsarmen, veganen Variante hergestellt, die für viele Tiereiweiß- und Weizenallergiker interessant sein könnte.

Dominosteine

Der Ablauf ist hier schon ausführlich beschrieben, so dass ich mich in diesem Post auf die Abweichungen beschränken kann. Ich habe diesmal die einfache Menge gemacht, die etwa 120 Dominosteine ergibt.

Triebmittel
1/2 TL Pottasche
1 TL Kichererbsenmehl
2 EL Wasser

Teig
375 g Honig
450 g Dinkelmehl 630
4 TL Bio-Lebkuchengewürz
1 Päckchen Wwinstein-Backpulver
5 EL Rum

Mohnbackmischung
Ich habe diesmal auf die Mohnbackmischung aus der Fertigpackung verzichtet und sie selber zubereitet.

125 g Mohn
25 g Biomargarine
90 ml Reismilch
50 g Agavendicksaft
1 EL Dinkelmehl 630

Den Mohn habe ich gemahlen (mit der Handmühle ein ordentliches Stück Arbeit) und dann im Topf mit allen Zutaten erhitzt und unter ständigem Rühren ein paar Minunten kochen lassen.

Mohnmühle

Zweite Füllung
Durch einen Fehlgriff im Laden gab es diesmal Himbeermarmelade statt Pflaumenmus. Das macht die Steine ein bisschen süßer, aber es ist auch ganz apart – zumal Himbeeren zu meinem Lieblingsobst zählen.

Glasur
600 g 70%-Bio-Kuvertüre, es gab einen kleinen Rest

Zubereitung
Wie im alten Artikel beschrieben. Der Teig ist auch in dieser Variante höllisch klebrig, es ist eine ziemliche Herausforderung, halbwegs ordentliche Platten zustandezubringen. Das Rechteck, dass mit dem Teig ausgefüllt wurde, war 30*25 cm, die Seitenlänge der Würfel wie gehabt 2,5 cm.

Und diesmal stecke ich die Zahnstocher erst nach dem Kleinschneiden in die Würfel, das erspart einem die Arbeit am Nagelbrett 😉

Alles in allem drei bis vier Stunden Arbeit, aber es lohnt sich!

Lieblings-Kartoffelbrot

Es trat immer wieder mal in diesem Blog auf, am Rande, ganz unscheinbar, aber es ist der Star meiner Alltagsbäckerei – ein Brot aus Hefe-Kartoffelteig, dass sich schon in verschiedensten Kombinationen in unseren Brotkonsum eingeschlichen hat und so langsam das gekaufte Dinkelbrot verdrängt. Daher ist es nun Zeit, ihm einmal einen eigenen Beitrag zu widmen.

Kartoffelbrot

Das Basisrezept ist ganz einfach:

Zunächst einen Vorteig aus 50 g Mehl mit einem zerpflückten Würfel Hefe und 100 ml warmem Wasser herstellen. Etwas gehen lassen, eine Prise Zucker hilft der Hefe beim Wachsen. Während der Vorteig geht, 100 g Kartoffeln kochen, pellen und dann zerdrücken.

Nun folgt der Hauptteig aus 500 g Mehl, 1 EL Salz, 1 TL Zucker, den Kartoffeln, dem Vorteig und ca. 230 ml warmem Wasser. Alles gut verkneten und an einem warmen, zugfreien Ort gehen lassen.

Dann den Ofen auf 230° vorheizen (wer eine dunklere Kruste mag, backt die ersten 10 Minuten bei 250°). Den Teig mit einem Schaber aus der Schüssel so auf das Blech schieben, dass eine Brotform entsteht. Wenn der Teig fest genug ist, die eine Seite noch nach oben ziehen, so dass oben eine Kante entsteht (daher auch der Name „Schopfbrot“). Wenn nicht, geht es auch so. Der Teig sieht zunächst sehr flach aus, das Brot geht während des 50-minütigen Backens aber noch gut auf. Dann aus dem Ofen nehmen und auf einem Gitter abkühlen lassen.

Die angegebene Menge ergibt ungefähr einen 800 g-Laib. Meistens verschwindet davon mindestens die Hälfte noch am selben Abend 😉 Ich habe mittlerweile einige Varianten probiert – vor allem die Mehlmischung gibt dem Brot immer wieder ein neues Gesicht, ohne dass es seinen knusprigen, großporigen Charakter verliert. Am besten finde ich die Variante aus 630er Dinkelmehl, aber auch mit selbst gemahlenem Dinkelvollkorn ist das Brot ein Hit. Und als Füllung geht alles von Tomaten über Oliven, gerösteten Zwiebeln bis hin zu Wildkräutern wie den Wiesenbärenklaustängeln.

Kartoffelbrot

Salzseebrot

Der Food Blogger ist ja trendmäßig immer auf dem aktuellsten Stand. Regional und saisonal haben wir ja quasi erfunden, nun ist es das Thema allergenfrei und gesund, dass uns erneut in die Labors – äh, Küchen, treibt, um in endlosen Versuchsreihen Gutes für die Menschheit oder zumindest die Leserschaft zu erfinden. Blogs wie kochtrotz oder Anie’s Delight sind gute Beispiele dafür.

Auch in meinem Umfeld ist das Thema neuerdings akut, ich koche gelegentlich glutenfrei und vegan. Das gelingt teils ganz gut, wie man meinem Rezepten hoffentlich entnehmen kann, nur das typische Kochbeiwerk wie Saucenbasis, Dips, Brot, Brotauflage geht dann meist doch nicht ohne Verwerfliches. Neulich auf der Suche nach glutenfreiem Backwerk lief mir im Buch Vegan & vollwertig genießen der Tipp über den Weg, einmal mit Kichererbsenmehl als Ei-Ersatz zu experimentieren.

Der erste Probelauf war Anlass, eine Packung dieses Mehls zu erwerben, diente aber keinem großen Erkenntnisgewinn, da die angerührte Dinkelmehlpasta sich von den genannten 2 Esslöffeln Kichererbsenmehl als Eisimulation nicht beeindrucken ließ – sie wurden wie eh und je ein ordentlicher Teig zum Durchnudeln durch die Maschine, geschmacklich trat das Mehl nicht hervor.

Salzwüste

Nun ist die Packung also im Haus, was tun damit? Ja, Falafel, klar, hatten wir schon, und die gehen auch besser mit gekochten Früchten. Beim Stöbern im Internet stieß ich auf einen einfaches Kichererbsenbrot. Zu einfach für meinen Geschmack, es sollte nur aus Kichererbsenmehl, Wasser. Öl und Salz bestehen (Gut, dass kein Ei vorgesehen war – Kichererbsenmehl als Ei-Ersatz in einem Kichererbsenmehlbrot wäre wohl dann doch ziemlich exotisch).
Ich traute dem Rezept nicht so ganz über den Weg und hab noch eine Knoblauchzehe hineingerieben und einige getrocknete Rosmarinnadeln, in Stücke gehackt.

250 ml Wasser
380 g Kichererbsenmehl
2 EL Öl
Salz

zu einem Teig verkneten, stand da. Am besten über Nacht ruhen lassen (hab ich nicht), dann bei 220 Grad in der Obstkuchenteigform in den Ofen und eine knappe halbe Stunde backen. Ok, mach ich. Der Teig ist erstmal ok, mürbe, aber er hält. Dann ab in die Form, sieht gut aus. Nach dem Backen allerdings eine gewisse Ernüchterung. Der Boden sieht aus wie eine Salzwüste in Utah und sensorisch bzw. geschmacklich liegt das Ergebnis leider ziemlich in der Nähe davon.

Salzwüste in Stücken

Ich versuche zu retten, was zu retten ist, mache kleine Sandwiches daraus mit Tomate, Frischkäse, gehackten Champignons und reichlich süßer Chilisauce, probiere sie nochmal mit Öl zu bestreichen und zu grillen… schmeckt immer noch wie Salzwüste. Also ein Flop. Was gerade noch ging, ist, sie zu zerbröseln und mit Brennnesseln zusammen zu rösten, bis man sie für Suppen zum Bestreuen nutzen kann.

Suppenkrümel

Na, ich hoffe, dass die anderen Rezepte in dem Buch freudvoller werden. Auch ein schnell probiertes Cashewkernmus als Schmandersatz war nicht der Renner. Ich finde schon, dass vegan und gesund sich nicht ausschließen muss mit lecker und schön anzusehen. Da lobe ich mir zum Beispiel das inzwischen viel gebackene Schopfbrot in der Dinkelmehlvariante (Rezept folgt). Sensationell!

Wer also zwei große Tupperboxen voller Salzwüstenstücken braucht – bitte melden!

Superschlerkiger Schokokuchen mit roter Bete

Ich bin ja normalerweise kein großer Schokoliebhaber und Backen gehört auch eher zu den Randgebieten meines kulinarischen Schaffens. Dieser Kuchen jedoch wollte unbedingt gebacken werden. Versteckt zwischen lauter genialen Gemüsegerichten im Buch Tender von Nigel Slater steht ganz unscheinbar im Kapitel „Beet Root“ dieses Rezept. Der Inhalt des Kuchens hat es in sich! Da es das Buch nur auf englisch gibt, hier die deutsch übersetzte Variante.

Schokokuchen mit Creme Fraiche und Mohn

250 g rote Bete

Die rote Bete koche ich ungeschält in ca. 40 Minuten weich. Danach pellen (Gummihandschuhe!) und mit der feinen Gemüsereibe zu einem groben Mus reiben.

135 g Mehl
einen gehäuften TL Backpulver
3 EL dunkles Kakaopulver

mische ich und stelle es für später bereit.

5 Eier
190 g Rohrohrzucker

Die Eier trennen und das Eiweiß steif schlagen. Langsam den Zucker unter die Eiweiße unterschlagen, bis eine cremige Masse entsteht.

200 g dunkle Schokolade (70%)
4 EL Espresso
200 g Butter

Die Schokolade schmilzt in Stücke gebrochen im Wasserbad. Nicht rühren, einfach schmelzen lassen. Dann den Espresso darübergeben und einmal umrühren. Zum Schluss die kleingeschnittene Butter hineingeben und so unter die Oberfläche drücken, dass sie schmilzt.

Jetzt kommt die Schlussmontage. Die Zutaten sollten in Ruhe, aber stetig zur Schokomischung dazu gegeben werden, damit sich alles optimal verbindet.

Schoko-Eiweiß-Mischung

Den Topf vom Wasserbad nehmen, ein wenig abkühlen lassen. Dann das Eigelb untermischen und gut verrühren. Jetzt folgt die rote Bete, dann das geschlagene Eiweiß. Wie immer rührt man das nicht heftig um, sondern hebt das Eiweiß unter die Masse. Zum Schluss gebe ich die Mehlmischung zu und hebe sie auch darunter. Der Teig hat eher etwas von Muffinteig als von einem richtigen Rührteig, er wird nur gerade so vermischt, dass alle Zutaten nicht mehr separat sind.

Der Teig kommt nun in eine gefettete und beschichtete 20 cm-Springform. Nigel Slater macht noch Backpapier drunter, ich lasse es weg und habe dank der Beschichtung auch später keine Probleme beim Rausnehmen.

Dann in den Ofen, der auf 180° vorgeheizt ist. Nachdem der Kuchen drin ist, stelle ich die Temperatur auf 160° zurück und lasse den Kuchen für vierzig Minuten im Ofen. Es war wohl ein bisschen zuviel Backpulver bei mir, der Teig geht gut auf und läuft fast über den Rand. Aber dann besinnt er sich und bleibt gerade noch rechtzeitig stehen. Später fällt der Kuchen in der Mitte ein wenig ein, das soll er auch laut seinem Erfinder.

Man nimmt den Kuchen heraus, auch wenn er in der Mitte noch ganz wabbelig ist! Ich hab mich nicht wirklich getraut und ihn noch fünf Minuten länger im Ofen gelassen. Dann ist er aber fällig.

die Form öffne ich erst, als er ganz erkaltet ist. Anschneiden ist nicht ganz einfach, aber der Kuchen hält, obwohl er oben am Rand sehr krümelig ist. In der Mitte ist er durch die rote Bete eher feucht und schwer, so dass die Stücke zusammenhalten.

Und ich bin im Schokohimmel! Zusammen mit einem Gemisch aus

Creme Fraiche
Blaumohn

dass oben auf die Kuchenstücke gestrichen wird (das macht jeder für sich) ist der Kuchen ein großartiges Resultat! Danke Nigel!

Zutaten

Tarte aux Oranges

Ich sympathisiere mit Claus. An Feiertagen, an denen alles besonders toll werden soll, verliert sich oft das entspannte Gefühl des Vor-Sich-Hinkochens, der Flow, weil man ja ERGEBNISSE liefern muss. Und zwar termingerecht, Osterdienstag nützt keinem was, auch wenn dann die Läden wieder aufhaben und man das Material der ruinierten Zubereitung neu kaufen könnte.

Nicht ganz so schlimm war die hier zu beschreibende Tarte, aber immerhin kläglich genug, dass wir sie ganz alleine in den letzten Tagen aufessen mussten, weil man sie leider keinem zeigen konnte.

Tarte im Ofen

Großes Vorbild war die Tarte von Aurélie, die schon aufgrund der schicken Baiserdecke sehr attraktiv ist. Ich begann mit dem Orange Curd. Zur weiteren Verwendung für diese Tarte hier habe ich das schon ein paar Tage vorher fertiggestellt. Sehr lecker und das Gläschen für den Brotaufstrich ist abgenommen. Der Rest ist für die Tarte. Leider nicht ganz so fest geworden, wahrscheinlich etwas zu vorsichtig aufgekocht, das Ei.

Nun kommt der Mürbeteig. Also eigentlich eher ein Sandteig. Kein Zucker, kein Ei, nur

200 g Mehl,
100g Butter
1 Prise Salz und
1/2 Glas Wasser.

Wasser???? Das sehe ich erst, als die Teigkugel schon gerollt und mühevoll in Form gehalten wird. Mist. Na ja, egal, das gleicht sich aus mit der etwas feuchten Creme.

Das Blindbacken geht gut, ich freue mich über den Tipp aus meinem Tarte-Buch, das Backpapier vorher kräftig zu zerknüllen. So kriegt man es gut in die runde Form gelegt und kann seine Kichererbsen-Bohnen-Sammlung darauf drapieren. Nach 10 Minuten bäckt der Boden nun noch ohne Abdeckung weiter, während ich schon mal das Eiweiß schlage.

3 Eiweiß
140 g Zucker (ich nehme gesiebten Puderzucker. Ist feiner).

Was ist das? Plötzlich sieht der Teig aus wie der große Salzsee in Utah! Fatal, nun macht sich doch das fehlende Wasser bemerkbar. Schnell raus aus dem Ofen, und abkühlen lassen.

Risse im Teig

Das Eiweiß hat die Pause nicht gut verkraftet, oder vielleicht ist der Puderzucker schuld? Das Eiweiß wird nicht ganz fest, naja, jetzt geht es nur noch ums Überleben.

Eine erneute Inspiration – Schokolade passt doch gut zu Orangen! Und wenn ich den rissigen Tarteboden mit flüssiger Schokolade bestreiche, repariert sich der Boden von selbst. Genauso wie die Gummikocher es auf der Autobahn mit dem zerbröckelnden Betonplatten machen. Genial. Ich erwärme

70 g Zartbitterschokolade

und pinsele sie auf den bröckeligen Boden. Genauer gesagt, ich versuche es. Die erkaltende Schokolade reißt einige zusätzliche Schlaglöcher in den sehr krümeligen Boden, aber irgendwann ist er dicht.

Schokobelag

So, jetzt schnell die Creme drauf. Das klappt. Nun das Eiweiß in die Spritztüte und die schönen Muster hergestellt. Mit dem ersten Teil (den ich voraussschauend in der Mitte beginne) geht das auch ganz gut. Gegen Ende wird das Material knapp und weich, so dass die Ränder eher aussehen wie Vorgebirge als wie ebenbürtige Gipfel im Vergleich zur Mitte. Zum Glück ist es symmetrisch, also gewollt.

Nun noch kurz überbacken. Bei 100° 20-30 Minuten sagt das Rezept? Das trau ich dem fragilen Gebäck nicht mehr zu und benutze statt dessen den Grill. Das geht auch ganz gut, das Eiweiß bräunt und ich atme auf. Ab in den Kühlschrank, immerhin ist da noch halbrohes Ei drin. Ende gut alles gut.

Baiser

Na ja, bis zum Anschnitt. Entweder das Eiweiß oder die Creme hat sich partiell wieder verflüssigt. Und statt in den Teig zu sickern und ihn so etwas elastischer zu machen, sorgt die stabile Schokoschicht für eine wasserfeste Wanne, auf die so mancher Häuslebauer neidisch schauen würde. Demzufolge haben sich jetzt ein paar Lachen am Rande der Tarte gebildet. Und nicht genug damit, die Form hat einen rausnehmbaren Boden und entlässt die klebrige Flüssigkeit nach und nach in den Kühlschrank, wo sie sich wohlgemut in alle Ritzen ausbreitet.
Mist. Also umpacken, das Stück. Das überlebt sie nun endgültig nicht und wird zu einem windschiefen Stück Mürbekrümel-Orangen-Schoko-Baiser-Pamps.

Der ausgesprochen gut schmeckt übrigens…

Orange Curd

Der am Freitag hergestellte Lemon Curd ist verschwunden! Keiner weiß, wo er abgeblieben ist, nur zwei leere Gläser stehen in der Spüle! Und dabei wollte ich ihn doch noch weiterverarbeiten! Leider gibt es keine Zeugen, so bleibt mir nichts anderes übrig als wieder von vorne zu beginnen, um mene Ostertarte herzustellen.

Die Früchte

Im Blogversum grassiert gerade das Zitronentarte-Fieber, so verwende ich lieber die noch vorhandenen Saftorangen für eine orange Variante, um etwas mehr Farbe ins Spiel zu bringen.

Das Prinzip ist dasselbe:

230 ml Saft (aus 3 Orangen und 1 Zitrone)
je 1 guter TL Orangen- und Zitronenschale
4 Eier
100 g Butter
120 g Zucker
1 EL Stärke

Zutaten

Saft und Zucker mit der Stärke verrühren und aufkochen. Dann die Butter sukzessive einrühren. Die Eier verrühren. Ich gebe dann zunächst etwa ein Drittel der warmen Sauce mit einer kleinen Kelle nach und nach in die Eier und verühre sie, ähnlich wie bei Hollandaise. So wärmen die Eier langsam auf und erschrecken sich nicht beim Einrühren in die heiße Flüssigkeit, was sie regemäßig mit Ausflockung beantworten.

Dann kann die Eimasse in den Rest der Sauce und kocht bei mittlerer Hitze zur Rose. Achtung, nicht den richtigen Absprung verpassen! Die Orangenbutter nun schnell in Gläser oder in eine Schüssel geben. Der Topf ist noch heiß und die Masse kann immer noch kippen.

Der geschmackliche Unterschied zum Lemon Curd ist eher gering, eine feine Orangennote sorgt für Abwechslung.

Morgen mehr über meine Verwendung des Orange Curd (wenn nicht wieder mysteriöser Schwund einsetzt)!

Orange Curd

Toastbrot mit Lemon Curd

Und wer hat vergessen, das Brot für morgen zu kaufen? Im klerikal angehauchten Münster ist es natürlich undenkbar, am Karfreitag irgendwo Brötchen zu bekommen. Selbst das durch findige Bäcker erfundene „vorher bezahlen und am Feiertag nur abholen ist ja kein Verkauf“ wurde zuletzt durch ein Verwaltungsgericht gestoppt. Da muss ich also zur Selbsthilfe greifen und schnappe mir das Buch „Brot für Genießer“ von Richard Bertinet, aus dem ich ja hier und da schon einmal nachgebacken habe. Leider gab es auch nirgendwo mehr Hefe! Entweder hatten alle dasselbe Problem oder die österlichen Hefekranzbäcker haben die Regale geräumt. Naja, ein Tütchen Trockenhefe hab ich auch noch rumliegen…

Toastbrot halber Bauhöhe

Der Teig ist einfach, ich halbiere noch einmal die Menge

250 g Weizenmehl Type 550
1/2 Beutel Trockenhefe (3.5 g, im Original: 10 g frische Hefe)
5 g Butter
5 g Salz
25 g Vollmilch
150 g Wasser

Aus diesen Zutaten knete ich den Hefeteig, die geringe Menge läßt sich beim Kneten nicht so gut falten, aber irgendwann ist der Teig fertig. Ich lese nicht genau, sondern falte ihn schon so, wie er später in die Backform kommen soll und lasse ihn gehen. Nach einer Stunde lese ich, dass er erst als Teigstück 1 Stunde gehen soll, dann gefaltet wird und dann nochmal eine Stunde in der Form geht. Nun ja, da war ich zu schnell. Ob es daran liegt oder doch an der schon etwas ältlichen Trockenhefe – so richtig schön aufgehen will der Teig auch nach der 2. Stunde nicht. So wird es denn also ein Toastbrot halber Bauhöhe.

Der Ofen ist auf 250° vorgeheizt, ich gebe das Brot auf die 2. Schiene von unten und decke es mit meiner gußeisernen Grillplatte ab. Nach 20 Minuten kommt die runter und das Brot bräunt noch etwa 5 Minuten, ohne wirklich eine harte Kruste auszubilden.

In der Wartezeit des zweiten Gehens stöbere ich so durch meine „Nachzukochen“-Links und stolpere wieder über das Lemon Curd-Rezept von Aurélie. Soll ich? Die Zutaten sind alle da, also koche ich kurzerhand diese leckere Creme. Leider auch sehr gehaltvoll.

Zum Abschluss des Abends gibt es also nach so viel Fleißarbeit noch frisches selbstgemachtes Toastbrot mit selbstgemachtem Lemon Curd. mmmmm 😉

Lemon-Curd-Toast

Tarte Tatin mit Chicoree und Birnen

Entstanden beim Weihnachtsdinner 2009: Erster Nachweihnachtstag.

Halt! Der Abschluss war der Lachs vom Ende des Universums doch noch nicht! Zum guten Glück fehlt uns noch ein süßes Ende, was wir hier ebenfalls mit einem alten e&t-Rezept begehen wollen.

Tarte Tatin mit Chicoree und Birnen

Es ist ganz einfach:

2 mittelgroße Birnen, geschält und gesechstelt
2 kleine Chicoree, halbiert und Strunk entfernt

werden in einem Karamel aus

30g Butter
50g Zucker

in einer ofenfesten Pfanne angedünstet. Inzwischen rolle ich

300g Blätterteig

so aus, dass ich eine Scheibe von ca LP-Größe bekomme (das sind 30cm Durchmesser für die jungen Leute). Die Scheibe lege ich auf Chicoree und Birnen in die Pfanne und drücke es schön fest. Dann kommen noch mit einer Gabel ein paar Löcher hinein und ab damit in den vorgeheizten Backofen bei 200° ca. 20 Minuten, bis die Oberseite schön braun ist.

Je nachdem, wie die Pfanne beschichtet ist, kann es etwas trickreich werden, die Tarte anschließend zu stüzen. Bei mir gab es kein Problem, ansonsten sollte man die Pfanne nach dem Backen auf dem Herd nochmal auf die heiße Platte stellen und durch Kreisen der Pfanne das Karamel vom Boden lösen.

Schnell noch ein wenig Puderzucker drauf und fertig ist der raffinierte Nachtisch. Der Chicoree harmoniert sehr gut mit den süßen Birnen und dem Karamel.

Da ich ja nicht ein ganz so Süßer bin, hab ich mir aufs zweite Stück noch eine angebratene Scheibe Schinken gemogelt 😉 War auch lecker.

Tarte mit Schinken

und ab morgen ist Diät!