Lauwarmer Spargel-Wildkräuter-Salat mit Mandelcroutons

Manchmal kommt es anders als man denkt – auf der Suche nach neuen Spargel-Rezepten geriet ich auf die e&t-Seite und entdeckte eine Spargel-Mohn-Variante, die mich sehr interessierte. Nun ist es Pfingstmontag leider schwer, an Blaumohn zu kommen, wenn der erwartete Vorrat auf mysteriöse Weise aus dem Schrank verschwunden ist – sollte der etwa doch bei der letzten Weihnachtsbäckerei schon verbraucht worden sein? Egal, ich behelfe mir mit anderen Zutaten, behalte aber das Grundrezept bei. So entsteht eine leckere, sommerliche Spargelvariante, die so gar nicht zum grau-zu-kalt-für-schwül-Wetter passen will.

Lauwarmer Spargelsalat mit Mandelcroutons

Zunächst wie immer – 1 Kilogramm Spargel schälen und die holzigen Enden abschneiden. So langsam ist die Saisonroutine wieder da ;) Der Spargel kommt wie im Rezept gewünscht auf ein Blech mit Backpapier, dessen Enden ich leicht verdreht habe. So bildet sich eine Wanne für das Gemisch aus 150 ml Wasser, 4 EL Olivenöl und Salz, die den Spargel im Ofen vor dem Austrocknen schützen sollen. Das Blech kommt bei 200° Ober-/Unterhitze in den Ofen und bleibt dort eine halbe Stunde.

In der Zeit können die kleinen Pellkartoffeln gar kochen und gepellt werden, die ich dem Gericht hinzufüge. Außerdem sammle ich im Garten, was sich gerade so an Grünzeug findet. Rucola, Giersch, Löwenzahn, Kapuzinerkresse und Pflücksalat in verschiedenen Formen und Farben wandern in das Sieb und werden gründlich abgespült und geschleudert.

Dann ist die Vinaigrette dran: 6 EL Orangensaft, 4 EL Zitronensaft, 5 EL Ahornsirup, 3 EL Senf, 3 EL Walnussöl und ordentlich Pfeffer und Salz bilden eine dünne, aber aromatische Vinaigrette. Die rosa Beeren des Originals lasse ich weg, die sind mir zu dominant. Ebenso spare ich mir den Ziegenkäse, der da eigentlich mit rein soll. Er wird nicht vermisst – denn statt der eigentlich vorgesehenen gerösteten Mohnsamen gibt es nun noch grob geshreddertes altes Dinkelbrot. Es geht zusammen mit einer Handvoll ungeschälter Mandeln in den Zerkleinerer. Immer wieder begeistert mich der hübsche Name “Speedy Pro” ;) Der Zerkleinerer tut, was er soll und ich siebe mit einem groben Sieb die feinen Krümel raus – ich möchte heute nur die groben haben. Diese gehen in die Pfanne, zusammen mit etwas Oregano und Olivenöl, und rösten, bis sie kusprig-aromatisch sind.

Zum Servieren gebe ich den Spargel mit ein paar leicht zerdrückten Kartoffeln auf die Teller, dann den Salat darüber und zum Abschluss reichlich Vinaigrette und die Croutons. Geniale vegane Küche!

Gebratener Blumenkohl mit Giersch-Linsen

Der Frühling ist endlich da! Beziehungsweise die Kräuter, die dieses Jahr so wenig Zeit haben, schießen nun alle gleichzeitig aus der Erde. Da ist es an der Zeit, das junge Grün auch kulinarisch zu verarbeiten. Am Abend gibt es ein schnelles Gericht aus den Vorräten in Haus und Garten.

Gebratener Blumenkohl mit Giersch-Linsen

Ich koche eine Tasse Belugalinsen in der dreifachen Menge Wasser – ohne Salz, damit sie nicht hart werden, aber mit 1/2 TL Räucherpaprika und 3 Knoblauchzehen, die ich in größere Stücke geschnitten habe. Dann setze ich den Blumenkohl auf. Ich will ihn heute braten und schneide ihn dazu in 1 cm dicke Scheiben. Das krümelt mächtig, die Reste wandern demnächst in eine Suppe. Die Scheiben brate ich in Rapsöl bei mittlerer Hitze ca. 20 Minuten – genauso lange, wie die Linsen brauchen. In einer weiteren Pfanne dünste ich eine kleine halbe rote Zwiebel, die ich in feine Würfel geschnitten habe und gebe 2 gehäutete und klein geschnittene Tomaten dazu. Noch etwas Salz, Zucker, Balsamico und einen kleinen Schuss Rotwein, dann alles zu einem aromatischen Ketchup einkochen lassen. Zu guter Letzt blanchiere ich den Giersch. Ich nehme zwei gute Handvoll von den jungen, gerade gesprossenen Pflanzen und gebe sie für 2 Minuten in kochendes Salzwasser. Dann kurz abschrecken und warm halten. Die Linsen würze ich jetzt noch ordentlich mit Bärlauchsalz, ebenso den Blumenkohl. Alles wird auf vorgewärmten Tellern angerichtet und nach dem obligatorischen Foto schnell verspeist. Die farbenfrohe Gemüsekombination schmeckt ausgezeichnet!

DAS Olivensalz

Ich bin kein großer Freund von vorgefertigten Lebensmitteln, am liebsten koche ich mit frischen, unverfälschten Zutaten und bereite Gewürzmischungen, Saucen etc. selber frisch zu. Eine deutliche Ausnahme ist dieses Olivensalz, das ich bei meinem Besuch bei Frank Buchholz kennen gelernt habe.

Flor de Sal d'Estrenc

Schon wenn man die Dose öffnet, strömt ein intensiver Geruch nach schwarzen Oliven heraus. Das Salz selber ist dunkel violett von den vielen kleinsten Olivenstückchen, die mit den Kristallen eine innige Verbindung eingegangen sind. Ganz anders als man so oft bei Mischungen sieht, werden die Olivenstückchen nicht einzeln sichtbar, sondern überzeugen nur durch ihren intensiven Geschmack und die Farbgebung.

Das Salz hat sich bei uns inzwischen als “Lebensretter” für alles etabliert, was zu blass oder zu langweilig ist, um es so zu essen. Eine Prise an die Suppe, auf’s Käsebrot oder in den Salat lässt die Gerichte regelrecht aufblühen. Ich bin begeistert! Man kann es direkt beim Hersteller online bestellen. Nicht ganz billig, aber auf jeden Fall seinen Preis wert.

Wolfsbarschfilet mit Fenchelsalat

Beim Kochbuchblättern fällt mir Björn Freitags Sterne-Snack-Buch in die Hand. Nette Sachen, auch wenn mir “Sterne” teilweise ein bisschen hoch gegriffen scheint… Da uns heute ein ruhiger Abend bevorsteht, kann es auch mal wieder was Nettes zu essen geben. Ich entscheide mich für Dorade mit Fenchelsalat, sollte schnell gehen und Fenchel ist ja einer meiner Favoriten.

Wolfsbarschfilet mit Fenchelsalat

Gesagt, getan – nur hat ausgerechnet heute der einzige Fischhändler weit und breit keine Doradenfilets :( Aber zum Glück liegt da noch ein einsamer Wolfsbarsch auf dem Eis – der wird kurzerhand geschnappt und filetiert. Der Rest ist einfach:

1 Knolle Fenchel mit dem Trüffelhobel in feine Streifen hobeln, mit einer Vinaigrette aus 2 EL weißem Balsamico, 2 EL Olivenöl, Pfeffer, etwas Zucker, etwas Fenchelsaat und einer ordentlichen Prise Olivensalz anmachen. dazu kommen zwei kleine Scheiben luftgetrockneter Schinkenspeck, in kleine Stücke geschnitten. Abdecken und für 30 Minuten in den Kühlschrank.

Die Filets entschuppe ich nun noch, ziehe die letzten feinen Gräten heraus und trockne die Stücke gut ab. Dann mehlieren und ab damit in die Pfanne. 5 Minuten bei guter Hitze auf der Hautseite, dann ausschalten und für 2 Minuten noch umdrehen. Alles auf einem Teller anrichten, ein paar Tropfen des schwesterlichen Chili-Vanille-Öls auf den Fisch und fertig ist das lecker-leichte Abendessen ;) Dazu gibt es geröstetes Oliven-Ciabatta.

Experimente – Spargelpizza mini

Was Apple kann, kann ich schon lange – nach der leckeren Pizza vom Mittwoch sollte heute die Miniversion der Spargelpizza entstehen. Ein Hefeteig ist schnell gemacht, in der Zwischenzeit bereite ich ein paar Stangen grünen Spargels vor: unten geschält, dann werden 2 für 5 Minuten gekocht, die anderen 3 werden in Stücke geschnitten und in Butter in der Pfanne gegart. Gewürzt wird mit Salz, Muskat und Vanille. Jawohl, Vanille, dazu hat mich der Blogeintrag von paules kitchen motiviert, den ich mal entdeckt hatte und der seither in meiner Linkliste schlummerte.

Als Sauce für die Pizza habe ich zwei Varianten probiert: einmal etwas Creme Fraiche mit Eigelb, scharzem Knoblauch, Salz und Muskat, einmal mit Feta und Honig. Für die Creme Fraiche-Variante habe ich die Teigfladen ein paar Minuten vorgebacken, damit es nicht zu matschig wird. Die Feta-Variente kommt auf rohem Teigboden in den Ofen, alles bei 200°. Beide Arten haben so ihren Charme – die Creme Fraiche Variante ist saftiger, die mit Feta würziger.

Spargelminipizza mit Creme Fraiche und Eigelb

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Danach gab es noch eine “Spargelcalzone” ;) Gemeinsam mit einem Bärlauchblatt und den Resten der Creme Fraiche wickele ich die beiden gekochten Stangen in dünn ausgerollten Teig und backe die Stangen für 20 Minuten im Ofen. Ganz witzig, aber nicht so knusprig wie ich es mir gewünscht hätte. Da muss man wohl doch eher panieren und frittieren… Wer es nachmachen will: Luftlöcher nicht vergessen, sonst platzt der Teig auf.

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Nette Küchenbastelaktion. Die Minipizzen kann ich mir gut als Amuse geule bei einem Menu vorstellen.
Und aus dem Rest des Teigs werden die Brötchen für morgen früh :)

Spargel, Hollandaise, Lachs, Kartoffeln: Luxuspizza

Der Mai ist gekommen – pünktlich zum Tag der Arbeit lockt uns strahlendes Frühlingswetter hinaus in den Garten. Das erste Draußenessen ist endlich möglich! N. wünscht sich Kartoffelpizza, die soll es wieder mal geben. Allerdings fehlt der dazu nötige Mozzarella, so improvisiere ich mit den Zutaten zum eigentlich geplanten Spargelgericht.

Luxuspizza

Aber zunächst ist der Teig dran: 400 g Dinkelmehl 630, 1/2 Würfel Hefe, 1 TL Salz, 250 g Wasser verknete ich schnell mit der Hand zu einem elastischen Teig. Der geht eine Weile im Backofen bei 35°, derweil bereite ich die anderen Zutaten vor.
600 g Kartoffeln schäle ich und schneide sie in kleine Würfel, ebenso ein Pfund weißen Spargel. Die Köpfe werden längs halbiert. Die Kartoffeln kommen in eine Pfanne und braten 10 Minuten, der Spargel in einer anderen für 5 Minuten. Aus 125 g Butter, zwei Eigelb und einem Schuss weißen Balsamico bereite ich eine schnelle, dicke Hollandaise zu. Ein paar Scheiben Räucherlachs (Bio, der ist nicht so salzig) schneide ich ebenfalls in kleine Stücke, genauso wie ein paar Scheiben Schinken und milden Ziegenkäse. Dann kommt alles in Schälchen auf den Küchentisch, ebenso wie die Gewürze: Pfeffer, Salz, Majoran, Estragon, selbstgemachtes Bärlauchsalz.

Pizzaclaims

Der Teig ist gut geworden, ich kann ihn nun ausrollen und auf ein gefettetes Blech legen. Der Teig wird sorgfältig geviertelt markiert, um späteren Gebietsstreitigkeiten entgegenzukommen. Dann kann jeder aus der Bande sein Viertel mit den Zutaten nach Wahl belegen. Bei den Erwachsenen ist es die Kombination aus Kartoffel, Spargel. Lachs, Hollandaise und Ziegenkäse, die für höchste Zufriedenheit sorgt, die Kinder bevorzugen das Ganze spargel- und fischfrei und nehmen lieber den Schinken dazu.

Das belegte Blech kommt bei 200° Pizzastufe (oder Ober/Unterhitze, keine Umluft) auf der 2. Schiene von unten in den Ofen und bäckt dort knapp 20 Minuten. Dann ist der Käse geschmolzen, die Hollandaise noch ein wenig flüssig und die Aromen verbinden sich genial.
Luxuspizza!

Klassisches bei Buchholz

Was tun an einem trüben Samstag in Rheinhessen, bei dem eine gähnende Lücke in der Familien-Wochenend-Agenda herrscht? Beim Recherchieren nach Vergnügungsmöglichkeiten im Internet finde ich Frank Buchholz’ Kochschule, die just an diesem Samstag den Kochkurs “Buchholz-Klassiker” anbietet. Kurz noch überlegen, ist ja nicht ganz billig da, aber dann siegt die Lust auf’s Kochen und die Notwendigkeit, meine Sternekochsammlung zu vervollständigen… Also schnell telefonisch bestellt, alles kein Problem. Nur Bares soll ich mitbringen, man hat keinen Kartenautomat in der Kochschule.

“Na das wird ja Zeit”, heißt es lakonisch vom Chef, als ich 3 nach 10 etwas abgehetzt in der Küche ankomme. Alle sind schon versammelt, mir hat der langsamste Geldautomat von Mainz und der nicht existierende Parkraum zu schaffen gemacht. Schnell bekomme ich eine Schürze, ein Handtuch und ein Glas Sekt in die Hand gedrückt. Frank Buchholz – “nennt mich ab jetzt einfach Frank” – erklärt die Zutaten für das heutige Menü und weiß gleich allerlei Interessantes zu berichten. Zum Beispiel, dass Thunfisch nicht nur aus ökologischen Gründen nicht aus dem Schleppnetzfang genossen werden sollte – der Fisch gerät dort in Stress und produziert ein Enzym, das für Menschen unverträglich ist und den Fisch so zu unerfreulichem Durchgangsbeschleuniger macht. Oder dass man bei Bucholzens den Salat immer in warmen Wasser wäscht, mit etwas Zucker im Wasser. So geht der Dreck besser ab und der Salat bleibt länger frisch und knackig. Ansonsten finden sich auf dem Tisch unter anderem ein Zander, Kalbslende, Lammrücken, Artischocken, Wachteleier, Stangensellerie, Möhren, Zwiebeln, jede Menge frische Kräuter in bester Qualität und noch viel mehr, was ich auf den ersten Blick gar nicht wahrnehmen kann.

Ich schaue mich ein wenig um in dem ehemaligen Bauernhaus. Gemütlich ist es hier, mit den Natursteinwänden. rechts der Essbereich mit 3 Achtertischen, dann eine Stahltreppe nach oben und dahinter die großzügige Küche, wo wir uns auch mit 10 Kursteilnehmern nie sehr in die Quere kommen.

Küche Kochschule Buchholz

Essplatz Kochschule Buchholz

Fast verpasse ich die Bekanntgabe der Speisefolge – Vorsicht, hier muss man aufpassen. Frank schätzt die direkte Ansprache. Wer schläft, wird auch mal gerüffelt – wie in einer richtigen Profiküche eben ;) Wir werden kochen
* Vorspeise: Kalbstartar mit Wachtelei, Oregano-Thunfisch, Kalbsafelspitz “Vitello”.
* Fischgang: Zander, Sellerie, Weiße Beete, Baslamico-Kirschen
* Fleischgang: Lammrücken, Kräuterkruste, Artischockenrisotto
* Dessert (das machen wir allerdings nicht selber): Warmer Schokokuchen, Ingwereis, Agrumen (Küchendeutsch für Zitrusfrüchte)

Ich bin im Vorspeisenteam stürze mich gleich in die Arbeit – Oregano zupfen, Stangensellerie fein würfeln. In den benötigten Mengen schon ein bisschen Arbeit, so dass ich den Mis en place der anderen Gruppen gar nicht richtig mitbekomme. Was bei uns passiert ist allerdings auch spannend. Zum Sellerie gesellt sich ebenfalls fein gewürfelte Mango. Der Thunfisch -beste Sashimiqualität im Leinentuch- wird kurz in Soja mariniert und dann in dem ganz fein gehackten Oregano paniert.

Thunfisch in Oregano

Dann werden die beiden viereckigen Stücke von jeder Seite 4 Sekunden in reichlich Butter angebraten, aufgeschnitten und auf dem Sellerie-Mango-Salat angerichtet. Der zweite Teil: ein Kalbfleischtartar aus der Lende, handgeschnitten natürlich, wie es der Anlass gebietet. Gewürzt mit Rosmarin, Cayenne und Räucherpaprika und belegt mit einem Wachtelspiegelei wird aus der Fleischmasse eine besondere Leckerei. Dazu kommt dann als Drittes ein im Vakuum gegarter Kalbstafelspitz mit einer Thunfischmayonnaise.

Vorspeisenproduktion

Vorspeise

Wir richten die Vorspeise gemäß Franks Musterteller an und fertig ist der erste Gang. Exzellent schmeckt es! Dazu gibt es einen feinen Riesling (wie immer vergesse ich sofort wieder, von wem und woher).

So langsam kommen wir in Schwung. Frank achtet sehr auf die Arbeit aller Teilnehmer, er ist über all und greift ein, wo notwendig. Nur die Enthauptung der Dekorübchen, die ihr Grün behalten sollten, konnte er nicht rechtzeitig verhindern. Sie werden gnadenlos entsorgt.

Der nächste Gang wird montiert. Die Sauce mit Schalotten, Kalbsfond und Sahne wird erhitzt und der kleingeschnittene Kohlrabi kommt hinein. Ebenso gewürfelte weiße Bete, eine alte Variante der roten Bete, die Frank in der Nähe züchten lässt. Während das Gemüse vor sich hin köchelt, wird der Zander portioniert und kommt auf einen mit flüssiger Butter gefetteten Teller. Dann Klarsichtfolie drüber “die hält sich bis 90 Grad” und ab damit in den mit 60 Grad vorgeheizten Ofen. Dort gart der Fisch ganz sanft und muss zum Abschluss nur noch einmal ganz kurz in gebräunter Butter geschwenkt werden. Beim Anrichten kommt ein besonderer Leckerbissen dazu – Balsamicokirschen, die dem Gericht eine süße Abrundung geben.

Zander

Zum Essgenuss wird ein Chardonnay gereicht. Alle sind sich einig, dass die Vorspeise doch noch übertroffen werden konnte!

Jetzt kommt der Fleischgang – bereits vor dem letzten Servieren kam der Lammrücken, mit einer dicken Kräuterkruste belegt in den Ofen. Das Ergebnis können wir jetzt bewundern – rosa gegartes Lamm mit knuspriger Kruste. Dazu gibt es ein Risotto, im Dampfkochtopf gegart, das spart die viele Rührerei. Gebratene Artischockenstücken kommen hinzu und eine mit Basilikum im Backofen aromatisierte Kirschtomate. Die Sauce ist eine Reduktion von gerösteten Lamm- und Kalbsknochen, angereichert mit Port und Rotwein. Wir verwenden eine vorbereitete Reduktion, da die Zeit für die Herstellung nicht gereicht hätte.

Lammrücken

Auch hier überzeugt das Ergebnis komplett. Der Risotto – ein Traum! Das Lamm ebenfalls genau so, wie es sein soll. Mit Biss, aber nicht zu weich und sehr aromatisch. Und die Basilikumtomaten sind ebenfalls eine Geschmacksoffenbarung.

Eine gewisse Sättigung macht sich bemerkbar. Erst allmählich kommen wir los von den Esstischen und können bei der Produktion des Desserts noch zusehen. Die Schokoküchlein enthalten einen flüssigen Kern aus dunkler und weißer Schokolade – immer wieder großartig. Dazu ein sanftes Ingwereis und marinierte Zitrusfilets.

Dessert

Ein schöner Abschluss unseres Kochtags, denn nun ist es bereits 15 Uhr und der Kurs ist vorbei. Wir sitzen noch beim Espresso eine Weile zusammen und lassen die Geschmackserlebnisse nachwirken, dann ist Zeit zum Aufbruch. Schade – es könnte immer so weiter gehen.

Mein Auto ist noch da, einen Strafzettel habe ich auch nicht und zum Abschluss gibt’s noch ein Foto von Außen. Die Kochschule ist nicht im Hauptrestaurant von Frank Buchholz untergebracht, sondern ein paar Häuser weiter – so ist man dort beiderseits ungestört. Es hat sich gelohnt!

Buchholz Kochschule

Kardamom-Hähnchen mit Schwarzwurzelreis

Sonntag abend – zwei Hühnerbeine wollen zubereitet werden, nur wie? Zum Glück gibt es das Internet, ich finde ein Rezept von Tim Mälzer, dessen Hühnerteil mich anspricht. Die dort vorgesehen Kartoffeln lasse ich links liegen, ich habe anderes vor.

Kardamomhähnchen mit Schwarzwurzelreis

Aber zunächst zum Huhn:
die zwei Keulen werden gewaschen und abgetrocknet. Dann bereite ich die Marinade zu, wie unser Meisterkoch es vorgibt:

3 Kardamomkapseln
1 Zimtstange
etwas Chilipulver
1 TL schwarzer Pfeffer
1 TL Paprikapulver
1 TL getrockneter Oregano
1 TL abgeriebene Zitronenschale
1 EL Meersalz
1 EL Agavendicksaft (in Ermangelung von Honig)
4 El Olivenöl

Die Keulen schneide ich jeweils in 2 Teile und streiche die Marinade darauf. Sie reicht gerade so. Eine große Zwiebel schneide ich in dicke Ringe und gebe sie in eine kleine Auflaufform. Darauf kommen die Hühnerstücke, die ich dann bei 210° auf unterster Schiene in den Backofen gebe. 45 Minuten bleiben sie dort, die letzten 5 Minuten unter dem Grill.

Die Zeit nutze ich, um eine Handvoll Schwarzwurzeln zu putzen. Ich schäle sie in der Spüle unter Wasser mit etwas Essig, so bleibt die übliche Verfärbung aus. Dann koche ich eine schnelle Gemüsebrühe, die ich mit Kumin, Kurkuma, Schwarzkümmel und Knoblauch würze. Außerdem kommt als fruchtige Komponente etwas Mangosaft dazu. Jetzt die in Stücke geschnittenen Schwarzwurzeln hinzu und 5 Minuten kochen. Dann gebe ich eine große Tasse Reis dazu und lasse alles köcheln, bis der Reis gar ist. Ich gieße die überschüssige Flüssigkeit ab und gebe die Zwiebeln und den Bratensaft des Huhns zum Reis. Schnell anrichten und schmecken lassen ;)

Rübenchips

Diese komischen kleinen gelben Dinger im Bioladen haben mich schon immer interessiert, aber die Hemmschwelle war immer zu groß – zu sehr steckte mir noch die Erinnerung an einen total missratenen Steckrübenauflauf in den Knochen. Nun habe ich es endlich mal gewagt und habe vier von diesen Wurzeln gekauft. Was tun damit? So richtig traue ich der Sache nicht, also erstmal probieren. Roh sind sie ein bisschen zäh, nicht holzig aber kurz davor, schmecken wie eine Mischung aus Kohlrabi und Rettich. Zur Not ginge geraspelte Rohkost, wenn man viel Creme Fraiche oder so dazu nimmt – aber danach steht mir nicht der Sinn.

Butterrüben in Scheiben

So hobele ich die geschälten Knollen in dünne Scheiben und beginne damit, sie in der Pfanne in ein wenig Fett zu dünsten. Besser, die Zähigkeit verliert sich etwas, ebenso die ätherischen Öle, die für den rettigen Geschmack sorgen. Gar nicht so schlecht. Und wenn man nun Chips daraus machen würde? Ich erhöhe etwas die Hitzezufuhr, bis sich die dünnen Scheiben nach oben wölben. Dann einmal drehen, salzen und pfeffern, und dann raus aus der Pfanne, auf Zewa, um das überschüssige Fett loszuwerden.

Rüben in der Pfanne

Dann kommen die Scheiben in den Backofen auf ein Blech mit Backpapier, dort trocknen sie bei 90° Umluft ca 2 Stunden, bis sie braun, zusammengeschrumpft und knusprig sind. Der Geschmack wird immer intensiver, etwas weniger Salz und Pfeffer wäre auch ok gewesen.

Und weil es gerade so schön ist, experimentiere ich gleich noch mit einer halben Pastinake, die noch im Gemüsefach liegt, weiter. Geht auch gut – vor allem die Varianten mit Kurkuma oder geräuchertem Paprika. Es kommt echtes Chips-Feeling auf :)

Rübenchips

Helden des Alltags

Was isst der Foodblogger, der Fernsehgourmet, der Sternekoch nach/zum Feierabend? Ok erstere zumindest in der aktiven Phase das, was man im Netz der Rezepte so nachlesen kann. Aber täglich wird auch hier nicht produziert. Also was gibt es, wenn das Notebook, die Kamera, der Sterneherd aus/kalt sind? Stulle, TK-Pizza, Glibberzeugs vom Lieferchinesen? Oder die Best of’s, die man öffentlich nicht mehr zeigt wegen Wiederholungslangeweile?

Leider immer noch zu oft gibt es aus dienstlichen oder anderen Gründen die obige Ersatznahrungsbeschaffung. Am liebsten sind mir jedoch die kleinen schnellen Restegerichte, die sich dann ergeben, wenn man regelmäßig kocht und bevorratet. Irgendwas ist immer da und oft passt es auch zum späten Feierabend nach ein paar Stunden Schneeverwehungen auf der Autobahn. Und passt so zusammen, dass der Tag noch irgendwie gerettet werden kann..

So ein Tag ist heute. Ich finde 3 gekochte Pellkartoffeln, 3 braune Champignons, etwas ältlichen Rucola, eine halbe Knoblauchzehe. Kartoffeln und Pilze in Scheiben braten schnell in der Pfanne knusprig bzw. aromatisch, zusammen mit dem Knoblauch. Würzen mit Majoran, Fleur de Sel und geräuchertem scharfen Paprika (genial! auch wenn er immer erstmal streng riecht beim Öffnen) und zum Schluss schnell das Grünzeug druntergeschwenkt.

Passt! Meist sind es die kleinen Details, die auch alltags ein Festmahl erlauben…

Helden des Alltags